Inititative Stolpersteine Burgsteinfurt

Die Familie Rosa Cohen

Rosa Cohen, geborene Gotthelf wurde am 8. Oktober 1875 in Borgholz bei Höxter geboren. 1903 heiratete sie den Kaufmann Julius Cohen, ein Sohn des Stadtverordneten Moses „Moritz“ Cohen. Nach der Hochzeit zog sie mit ihm in einem Haus auf der auf der Leerer Straße, neben dem alten Amtshaus und gegenüber der Einmündung zur Bismarckstraße. 1904 bekamen sie ihre erste Tochter Charlotte, zwei Jahre später folgte die Tochter Emilie, die ihren Namen wohl in Andenken an ihrer Großmutter erhielt. Rosas Ehe sollte nur kurz halten, denn vermutlich um 1908 herum erkrankte ihr Mann. Wie man später herausstellte, handelte es sich um Leukämie. Am 16. Dezember 1909 verstarb er an seiner Krankheit. Rosa Cohen, oder besser: Ihre Töchter wurde von Julius Bruder Siegmund mit einem Haus auf der Moltkestraße für den Verzicht auf den Erbteil an der elterlichen Firma, entschädigt. Das zweistöckige Gebäude, das drei Wohnungen hatte und heute noch existiert, sollte der Familie ein einigermaßen gutes Einkommen bieten. 1910 zog Rosa Cohen mit ihren Töchtern in einer der Wohnungen, die anderen beiden Wohnungen vermietete sie. Rosas erstgeborene Tochter Charlotte besuchte die höhere Töchterschule und machte anschließend eine kaufmännische Ausbildung. Emilie dagegen wollte Medizin studieren. Mit viel Ausdauer und vermutlich auch durch Einfluss ihres Schwiegervaters, schaffte Rosa es, ihre Tochter 1919 auf dem Arnoldinum anzumelden. Zusammen mit einer weiteren Schülerin war Emilie die erste Schülerin des Arnoldinums. 

1925 machte Emilie ihr Abitur. Sie hatte sich mittlerweile für Chemie und Mathe und gegen Medizin entschieden und besuchte ab 1925 die Universität in Karlsruhe. Den Unterhalt finanzierte ihr das Ehepaar Alma und Karl Danneberg. Alma Dannberg, war eine Nichte von Emilies Großvater. 1932 wurde sie zur Studien-Assessorin ernannt und ließ sich erst einmal beurlauben. Am 15. September 1933 wurde sie durch das preußische Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 in den Ruhestand versetzt. Emilie unterrichtete stattdessen in den folgenden drei Jahren an unterschiedlichen jüdischen Lehranstalten in Frankfurt am Main, u.a. auch an der renommierten Lehranstalt Philanthropin. Am 22. August 1936 heiratete sie ihren Freund Hugo Marx und zog zu ihm nach Karlsruhe. Nachdem ihr Mann ab 17. Oktober 1938 nicht mehr als Rechtsanwalt arbeiten konnte, war ihre Lebensgrundlage zerstört. In der Pogromnacht wurde ihr Mann verhaftet und wurde nach Dachau gebracht. Dort wurde er erst am 20. November 1938 wieder entlassen. Die Freilassung ihres Mannes verursachte bei der mittlerweile hochschwangeren Emilie eine Fehlgeburt. Der Stress der vergangenen zwei Wochen war zuviel gewesen. Bereits kurz nach der Pogromnacht waren Emilie und Charlotte nach Burgsteinfurt gekommen, um den Verkauf des Hauses Moltkestraße 12 unter Dach und Fach zu bringen. Denn Rosa hatte sich nach der Pogromnacht und den Ausschreitungen entschieden, zu ihrer Tochter Charlotte in die Niederlande zu flüchten. Charlotte hatte mittlerweile den Übersetzer Abraham Snatager geheiratet und lebte in Amsterdam. Emilie und ihr Mann hatten durch einen Freund Visa für Großbritannien bekommen und reisten am 23. März 1939 nach Amsterdam. Dort blieben sie eine Woche bei Charlotte, Abraham und Rosa. Anschließend reisten sie weiter. Emilie sollte ihre Mutter und ihre Schwester nie wieder sehen. Sie wurden 1943 verhaftet und in das Durchgangslager Westerbork gebracht. Von dort aus wurde Rosa bereits am 4. Mai 1943 in das Vernichtungslager Sobibor gebracht und dort bei Ankunft am 7. Mai 1943 ermordet. Charlotte und Ihr Mann erlitten das gleiche Schicksal zwei Monate später. 

Emilies Leben in Großbritannien war schwer. Während sie gegen ein geringes Gehalt eine Lehrtätigkeit als Englischlehrerin in einer Handelsschule arbeiten konnte, war es ihrem Mann bis 1943 versagt eine Arbeit aufzunehmen. Ab 1948 erkrankte er am Herzen, 1951 verstarb er. Emilie heiratete 1953 den Kieferorthopäden Dr. Samuel Sylvain Dreyfus, den sie bei einem Schweizurlaub kennengelernt hatte und lebte fortan mit ihm in Lausanne. 1960 wurde sie erneut Witwe. Anfang der 2000er Jahre kam es dann zu einem unerwarteten Treffen. Über die Stemmerter Blätter, eine Publikation für ehemalige Arnoldiner, knüpfte Sie mit dem Notar Michael Daldrop und seiner Mutter Liesl Daldrop Kontakte mit ihrer ehemaligen Heimatstadt. Es kam in der Folge zu einem Besuch in Burgsteinfurt, bei dem Emmy auch mit den Mitgliedern der Initiative Stolpersteine Burgsteinfurt ins Gespräch kam. 2005 verstarb Emmy Dreyfus-Marx, geb. Cohen im Alter von 99 Jahren in Lausanne (CH).  

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Fotos der Familie Cohen

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Bilder von der Verlegung am 
25. April 2007