Inititative Stolpersteine Burgsteinfurt

Die Familie Paula Hirsch

 Paula Hirsch kam um 1913/1914 aus Drensteinfurt nach Burgsteinfurt und heiratete den Viehhändler Hugo Hirsch. Mit ihm bekam sie drei Töchter: Lotte (1915), Gretel (1920) und 1929 noch das Nesthäkchen Ruth. Mit seinem Einkommen als Viehhändler konnte Hugo sich und seine Familie gut ernähren und konnte sich sogar ein zweistöckiges Haus auf dem Drepsenhoek leisten. Doch bereits sechseinhalb Jahre später erkrankte er an der Niere. Er wurde in das nur wenige Meter entfernte St. Georgs-Hospital eingeliefert, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1936 gepflegt wurde. Seine Witwe schaffte es, trotz ihrer kleinen Tochter, den Viehhandel zu führen und den Umsatz sogar noch etwas zu steigern. Zum Ende des Jahres 1937 wurde sie immer mehr bedrängt und gab ihren Viehhandel Anfang 1938 auf. Ihre beiden großen Töchter verließen Burgsteinfurt und nahmen vorübergehend Anstellungen in anderen Städten an. Somit waren Paula und Ruth in der Pogromnacht allein. Nachdem die Wohnung der Familie Simons (An der Stadtmauer 7a) in der Nacht zum 10. November 1938 angegriffen wurde, was Paula aus 100 - 150 m Entfernung sehen und hören konnte, flüchtete sie mit ihrer Tochter Ruth in das Haus ihres Nachbarn und bekannten Bernhard Elfers. Bernhard Elfers versteckte sie und verwehrte den SA-Männern den Zutritt zur Wohnung. Nach der Pogromnacht kam Lotte vorübergehend nach Burgsteinfurt zurück. Mit ihrem Mann Gustav Heimann, den sie kurz zuvor geheiratet hatte, betriebe Sie Ihre Auswanderung und schafften es im Februar 1939 nach Chile zu entkommen. Gretel dagegen befand sich bereits seit November 1938 im niederländischen Loser an der Grenze und war mit Hermann Zilversmit einem Metzger verlobt. Zurück blieben nun Paula und Ruth Hirsch, die noch das Haus verkaufen mussten. Zeitgleich mit dem Hausverkauf, bekam sie ihren Auswanderpass ausgehändigt. Gültige Visa für Chile waren somit vorhanden. Doch wie auch einige andere Burgsteinfurter Juden, verzögerte sich ihre Auswanderung und scheiterte letztlich im November 1939, als in Genua das letzte Schiff in Richtung Chile verließ. Trotz Einreisevisum war es nun fast gänzlich ausgeschlossen, Chile zu erreichen. 1940 wurden sie in das Judenhaus Steinstraße 15, ein Jahr später in das Judenhaus Wasserstraße 25 eingewiesen. Vom ersten Transport konnte sich Paula noch mit ihrer Tochter zurückstellen lassen. Sie war sehr erholungsbedürftig und auf einem Ohr taub geworden. Aber knapp 5 Wochen später wurden Paula und Ruth zunächst nach Gelsenkirchen gebracht und dann nach Riga deportiert. Das weitere Schicksal der beiden ist ungewiss. Da Paula Hirsch taub und anscheinend nicht mehr stark belastbar gewesen ist, halten wir es leider für sehr wahrscheinlich, dass Paula im Ghetto nicht lange überlebte.
Gretel hatte mit ihrem Mann Anfang 1940, kurz vor der Besetzung der Niederlande durch die Wehrmacht, ihre Tochter Elsbeth bekommen. Anfang 1943 wurden Gretel und ihre Familie, sowie ihre Schwiegermutter in das Durchgangslager Vught gebracht. Während ihre Schwiegermutter bereits drei Monate zuvor nach Sobibor deportiert wurde, blieben Gretel und ihre Familie zunächst noch zurück. Am 3. Juni 1943 wurde entschieden, alle Kleinkinder aus Vaught und Westerbork in das Vernichtungslager Sobibor zu bringen. Darunter auch Gretels Tochter Elsbeth. Da die Eltern ihre Tochter nicht allein lassen wollten, erreichten Sie, dass auch sie im Transport mitfahren durften. Von Vught ging es zunächst nach Westerbork, von dort aus ging der Transport mit knapp 3000 Kindern und einigen Eltern in das Vernichtungslager. Bei der Ankunft wurden alle in die Gaskammer geführt und ermordet. 

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Fotos der Familie Hirsch

Bilderquellen:  Nachfahren von Bernhard Elfers, Nachfahren Hermann Michel, StA Steinfurt Judensachen, private Quellen.

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 von Willy Hirsch
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Bilder von der Verlegung am 3. Juni 2008