Inititative Stolpersteine Burgsteinfurt

Familie Karl Steinmann

Familie Julius Steinmann
Karl Steinmann war das sechste Kind der Eheleute Moses Steinmann und Amalia, geborene Hirsch und der jüngere Bruder von Julius Steinmann. Er kam 1896 auf der Kirchstraße in einem Haus zur Welt. Wie sein Bruder Julius besuchte er das Arnoldinum und wie sein Bruder kämpfte er im Ersten Weltkrieg an der Front und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Wie alle seine Geschwister, mit Ausnahme von Julius, der Geschäftsführer im elterlichen Geschäft wurde, verließ er Burgsteinfurt in Richtung Ruhrgebiet. Er arbeitete in einem Essener Kaufhaus und leitete dort die Haushaltswarenabteilung. In Essen heiratete er auch seine Frau Rosalie Cohen, die gebürtig aus Bonn kam. Nachdem er aufgrund der Weltwirtschaftskrise seine Anstellungen verloren hatte, kam er mit seinem in Essen geboren Sohn Will Samuel nach Burgsteinfurt und lebte auf der Kirchstraße mit seiner Familie. Es ist anzunehmen, dass er anstelle seines Vaters, der vermutlich bereits gesundheitlich angeschlagen war, in das Geschäft einstieg. Im August 1933 übernahm er die alleinige Geschäftsführung, nachdem sein Bruder bereits früh aus Burgsteinfurt geflohen war. Das Ruder des finanziell schwer angeschlagenen Geschäfts schaffte er aber auch nicht mehr herumzureißen. Als seine Frau 1936 dann seine Tochter Hannelore gebar, verschlimmerten sich seine finanziellen Sorgen. Er fasste den folgenschweren Entschluss, die beiden noch vermögenden Kaufleute Alfred Wertheim und Hertz (Borghorst) zu erpressen. 2000 RM erpresste er anonym von Ihnen unter Androhung von Gewalt. Als es dann zur Geldübergabe kam, wurde er verhaftet. Die bei ihm befindliche Schreibmaschine sollte letztlich den Beweis bringen. Als Karl Steinmann 1937 zu 21 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, entschloss sich nicht nur seine Frau mit ihren beiden Kinder nach Köln zu ziehen. Auch seine Mutter, die das Haus auf dem Markt 1 an einem Schuhhändler verkauft und noch 2 Jahre Wohnrecht hatte, zog es vor zu ihrem Sohn Erich zu verziehen. Die Episode der Familie Steinmann in Burgsteinfurt endete somit nach fast 50 Jahren.
Durch seine Inhaftierung sollte Karl seinen Sohn Willy 1937 das letzte Mal sehen. Willy schaffte es, über ein Vorbereitungslager nach Palästina zu kommen. 1939 wurde Karl Steinmann entlassen und zog zu seiner Frau und seiner Tochter nach Köln. Am 20. Juli 1942 wurden sie nach Minsk deportiert, aber bereits bei Ankunft des Zuges in den Wäldern erschossen. Willy heirate in Israel und gründete eine Familie. In den 1960er Jahren kam er zurück nach Essen, damit seine Frau sich einer ärztlichen Behandlung unterziehen konnte. Will starb in 1987, im Alter von nur 64 Jahren in Essen.  

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Fotos der Familie Steinmann

Bilderquellen: Nachfahren Steinmann,Archiv Kiepker/Balzer

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 Julius Steinmann
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Bilder von der Verlegung am
 7. November 2010