Inititative Stolpersteine Burgsteinfurt

Die Eheleute Max und Hedwig Hirsch

Max Hirsch war das fünfte von zehn Kindern der Eheleute Gumpel und Sara Hirsch. Max ist ein Bruder von Otto, Willy und Hugo und entschied sich dafür, den Beruf des Viehhändlers auszuüben. Um 1904 heiratete er die aus Nentershausen stammende Hedwig Bacharach. Mit seiner Frau bekam Max die Kinder Edith (1906), Selma (1908) und Georg (1912). Wie seine Brüder kämpfte Max im Ersten Weltkrieg an der Front und kam, wie seine Tochter später beschrieb, ziemlich verlaust aber unversehrt aus diesem wieder zurück. Die Familie besaß ein eigenes Haus auf der Schlietenstraße. Nur einige Jahre nach Kriegsende musste Max aus gesundheitlichen Gründen seinen Viehhandel an den Nagel hängen. Dadurch litt die Familie große Not, da das Haus noch nicht abbezahlt war. Zugleich waren die Ausgaben der Familie sehr hoch. Man wollte allen drei Kindern, eine gute Schulbildung ermöglichen. Beide Töchter gingen auf die Höhere Töchterschule, Georg besuchte zudem das Arnoldinum. Für jedes Kind hatte er somit Schulgeld zu bezahlen, das in etwa 20 RM betrug (Vergleich: Ein Arbeitergehalt betrug damals 150 RM brutto). Auch wenn er diese Summe nicht für alle gleichzeitig leisten musste, so hatte er doch durchgehend recht hohe Aufwendungen. Wie sich die Familie über Wasser hielt, ist uns nicht bekannt. Hedwig verdiente etwas durch Näharbeiten, aber das deckte sicherlich nicht alle Kosten. Um 1930 wurde das Haus der Familie zwangsversteigert, die Familie zog zunächst auf die Steinstraße 10-12 zur Witwe Emilie Heimann. Es scheint durchaus möglich, dass die Familie sich um die alte Witwe kümmerte und dafür dort wohnen konnte. Nach deren Tod wurde das Haus an ein Ehepaar verkauft, der den Nationalsozialisten anscheinend sehr nahe stand. Jedenfalls schließen wir das aus den Zeitungsartikeln, die über das NS-Hetzblatt Der Stürmer platziert wurden und der Tatsache, dass die Ehefrau wegen ihrer Beteiligung in der Pogromnacht 1948 vor dem Landgericht Münster angeklagt und aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde. 

Die Familie Hirsch kam in dem baufälligen Haus Rottstraße 9, das dem Invaliden Aron Michel gehörte, unter. Der Umstand, dass sein Haus nach dessen Tod, einen Monat vor der Pogromnacht frisch an einem Arier verkauft wurde, dürfte dafür gesorgt haben, dass man das Haus nicht angriff. In der Wiedergutmachungsakte der Familie Hirsch wird ein Angriff auch nicht erwähnt. Allerdings verhaftete man am Morgen den Sohn der Familie und sperrte ihn zusammen mit seinem Onkel Otto und fünf weiteren Juden ein. Im November und Dezember 1939 verließen die drei Kinder von Max und Hedwig allesamt Deutschland. Selma floh in die USA, Edith und Georg nach Chile. Mit ihren Kindern verband sie nach deren Auswanderung nur noch vier Briefe, der letzte kurz vor ihrer Deportation. Max und Hedwig mussten 1941 in das Judenhaus Bütkamp 8 ziehen und wurden von dort aus am 10. Dezember 1941 über Münster nach Riga deportiert. Aufgrund seiner schlechten Verfassung gehen wir davon aus, dass Max vermutlich früh ermordet wurde, spätestens aber bei der Auflösung des Ghettos im Sommer 1943. Auch Hedwig dürfte aufgrund ihres Alters, wohl nicht die Auflösung des Ghettos überlebt haben. 

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Fotos der Eheleute Hirsch

Bilderquellen:  Nachfahren Georg Hirsch; StA Steinfurt Fotosammlung.

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Bilder von der Verlegung am 3. Juni 2008